Kunst in der Fliegerhalle

Beachtliche Premiere der Kunst in der Fliegerhalle

Kultur in Breuberg: Einwöchiges Bildhauersymposium „Kunst am Radweg“ mit vielfältiger Ausstellung gekrönt

Große Vielfalt, hohes Niveau, so zeigte sich der Abschluss mit Höhepunkt des nunmehr dritten Symposiums „Kunst am Radweg“ am vergangenen Freitag. In diesem Jahr ein ganz besonderer Abschluss, denn für die veranstaltende Kulturkommission Breuberg unter Vorsitz von Stadträtin Angelika Romig-Saul und den beteiligten Künstlern erfüllte sich ein lang angestrebtes Ziel: Die Fliegerhalle an der Breuberg-Aue, bislang Lagerraum für den städtischen Bauhof, wurde für Kunst wie Kultur geräumt.

„Gerade in den ersten Tagen des Symposiums waren wir dankbar. Diese Halle bot uns Arbeitsraum trotz Regen“, betonte Angelika Romig-Saul. Wie nun ausgerechnet Breuberg, geflogen wurde hier nie, zu einer Fliegerhalle kommt, erklärte Bürgermeister Frank Matiaske. Der einstige Kleinflugzeug-Hangar sei der Sammelleidenschaft und dem „Schnäppchenjäger-Geist“ des ersten Breuberger Bürgermeister nach der Gebietsreform Heinrich Böhm zu verdanken. Billig ersteigert ließ er die Fliegerhalle anderswo abbauen und an der Breuberg-Aue wieder aufbauen. Sammelleidenschaft habe wohl auch die Mitarbeiter des Bauhofs ergriffen, die seit mehr als 30 Jahren ausrangiertes Stadteigentum dort horteten. Diesen Ort dem Bauhof zu entreißen sei auch für ihn als oberster Dienstherr nicht ganz einfach gewesen.

Welche Wertschätzung Künstler dieser Entscheidung entgegen brachten, machte ihre eindrucksvolle erste Gemeinschaftsausstellung in der Halle deutlich. Beteiligt hatten sich, auch hinsichtlich der über die Grenzen nach Bayern hinweg anvisierten „Kunst am Radweg“, Künstler aus Hessen und Bayern.

Gekrönt wurde die Fliegerhalle von einem goldnen Archaeopteryx (Urvogel), die Symposiumsarbeit des Künstlers Gerhard Menzer (Breuberg) sollte zunächst über der Grenze nach Bayern seine Flügel ausbreiten, auf Wunsch der anderen Symposiumsteilnehmer kürt er jetzt das Dach der Halle. In der Ausstellung zeigt Menzer seine Vielfalt, surrealistische Malerei, daneben als nahezu photographische Federzeichnung das Porträt eines Afghanen, als Bildhauer Skulpturen nach eigenem Holzbrandverfahren.

Zwei Künstler zogen insbesondere das Publikum in ihren Bann: Reinhold Mehling (Hanau) zeigte sehr feine aber große Holzskulpturen, die Frauentorsos nebst einem Männertorso zeigten. Er formte Holz so dünnflächig aus, dass es fließend erschien. Kerstin Hohm (Mömlingen) beeindruckte mit Engeln und Frauenskulpturen in Tonbrand. Steinskulpturen, abstrakt wie gegenständlich, zeigte Symposiumsteilnehmer Heinz Mack (Hanau), Ulrich Blaut (Mömlingen) hatte eine mechanische Metall-Installation mitgebracht.

„Wenn Menschen Tiere wären“, der Graphiker Klaus Riester (Breuberg) machte in seinen farbigen Karikaturen die grotesken Widersprüche des Menschen deutlich.

Vier Breuberger Fotografen, vier Ausdrucksformen: Bernd Wittelsbach beeindruckte mit urbaner Architektur aus der Mainmetropole auf außergewöhnlichen Hintergründen. Strukturen, wie sie in der Natur wachsen, entdeckte Klaus-Peter Rösler mit der Kamera. Viel Farbe und verzerrende Bewegungsunschärfe setzten Dietmar und Aniela Barbara Keitzl als Gestaltungsmittel ein. Collagen mit dreidimensionalem Effekt zeigte Wolfgang Häder. Keramikarbeiten von Agathe Rollmann (Mömlingen) erinnerten an ferne Kulturgeschichte.

Künstler der Breuberger Kunststation beteiligten sich ebenso. Die Kunststation, betonte Angelika Romig-Saul, trägt einen wesentlichen Teil zum guten Breuberger Ruf in Sachen Kultur bei. Aus der Kunststation hatten sich Ingrid Bergdolt und Heidi Schwinn mit abstrakter Malerei, Inge Scholz-Stephan mit erfahrungsreicher Kunstmalerei, Heidrun Dammel mit Malerei als Installation und Ingrid Höpfner-Kuhn, die sich bereits am Symposium beteiligte, mit Steinbildhauerei beteiligt.

Kunstvoll hörbares lieferten zur Vernissage der nur zweitägigen Ausstellung Songwriter Paul Rahmat Bachelor und Hangspieler Alexander Carasco Torras. Sicher waren sich alle Beteiligten, aus der Fliegerhalle ist künftig noch einiges als Kulturangeboten zu erwarten.