Bürgerstiftung Breuberg - Wider des Vergessens


Neustadt/Breuberg: Am 18. März 1942 wurden die beiden letzten jüdischen Neustädter Familien Marx und Kempe von den Nationalsozialisten in das von deutschen Truppen besetzte Polen deportiert. Vor den Augen ihrer Nachbarn und Freunde wurden sie auf einen Lastwagen gezwungen und aus ihrem Leben gerissen – weg von allem, was ihnen vertraut war. Sie kehrten nie zurück. Über das Ghetto Piask bei Lublin wurden sie noch im selben Jahr in die Vernichtungslager Sobibor oder Belzec verschleppt und dort ermordet.

Am Jahrestag ihrer Deportation kamen auf Einladung der Bürgerstiftung Breuberg Vertreter der Kommunalpolitik, der Bürgerschaft, der Kirche sowie des Stadtarchivs zu einer Gedenkveranstaltung zusammen.

Ein besonderer Dank galt Schulpfarrer Arno Jekel, der seit dem Projekt „Trialog der Kulturen“ im Jahr 2010 mit seinen Religionsklassen die Erinnerung an das Geschehen wachhält. Auch in diesem Jahr verlasen Schülerinnen und Schüler der Georg-Ackermann-Schule Rai-Breitenbach die Namen der Deportierten. Darunter befanden sich auch die Namen der Söhne der beiden Familien – damals fast im gleichen Alter wie die Jugendlichen, die nun, 86 Jahre später, die Gedenksteine reinigten.

In ihrer Ansprache erinnerte die Erste Stadträtin Ute Kowarschik an das unermessliche Leid, das über sechs Millionen Menschen durch das NS-Regime zugefügt wurde. Zugleich mahnte sie, dieses Verbrechen niemals in Vergessenheit geraten zu lassen.

Die Beirätin der Bürgerstiftung Breuberg, Dr. Karin Lichtblau, betonte die Bedeutung des historischen Gedenkens - gerade auch angesichts aktueller globaler Konflikte, Kriege, Vertreibung und Flucht.

Bereits am 18. März 2009 hatte der Konzeptkünstler Gunter Demnig auf Initiative des Stifters Norbert Sauer am alten Marktplatz in Neustadt die ersten Stolpersteine im Odenwald verlegt. Inzwischen sind Stolpersteine Teil des größten dezentralen Denkmals der Welt mit mehr als 116.000 verlegten Steinen in über 30 europäischen Ländern.