75. Neustädter Tagung des Breuberg-Bundes vom 25.-26. September 2026
Von Breuberg-Neustadt in die Welt: Der Metzgersohn Georg Ludwig Kohlbacher (1826-1894) - Kupferstecher, Graphiker, Verleger und Kunsthändler lautet der Vortrag von Andreas Hohm aus Oettingen zum 200. Geburtstag der lange vergessenen Persönlichkeit bei der Neustädter Tagung des Breuberg-Bundes am Freitag, den 25. September 2026 um 15.00 Uhr in der Breuberghalle.
Ludwig Kohlbacher wurde als Frankfurter Metzgersohn am 2. April 1826 in Frankfurt geboren. Sein Vater Johann Georg K. (1789-1865) und sein Taufpate und Onkel Georg Ludwig K. (1765-1834), beide Frankfurter Bürger und Metzgermeister sind in Breuberg-Neustadt geboren. Sein Großvater Johann Jakob K. (1735-1834) wurde fast 100 Jahre alt, hatte mit 2 Frauen 16 Kinder und war Metzgermeister und Gastwirt zum „Weißen Roß“ gegenüber dem Rathaus in Neustadt.
Wohl künstlerisch begabt, kam Ludwig, später oft „Louis“ genannt, 15jährig zur Ausbildung ans Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt, um Kupferstecher zu lernen. Mit 17 Jahren malte er sein erstes Selbstporträt in Öl. Am Ende seiner Ausbildung 1845 hatte er schon ein großes Netzwerk unter seinen Professoren und Mitschülern.
Sozial kritisch, stach er 1845 auch Spottblätter zum Paulskirchen-Parlament. 1852 ist er mit 26 Jahren selbstständiger Kunsthändler, betreibt eine Spezialhandlung für Zeichenbedarf und veranstaltete in Frankfurt die zweite Ausstellung des berühmtesten Vertreters des französischen Realismus, Gustave Courbet (1819-1877). Sein enger Freund und Verwandter, der Maler Angilbert Göbel (1821-1882), ebenfalls Vertreter des (sozialkritischen) deutschen Realismus, porträtierte Kohlbacher und dessen Familie mehrfach.
Kohlbacher war Mitbegründer und Mitglied der Frankfurter Künstlervereinigung Totenbund (1852-1857) und enger Unterstützer der sich entwickelnden Kronberger Malerkolonie. Von 1855 bis 1888 war er angestellter Inspektor (heute Direktor) des neuen Frankfurter Kunstvereins auf Aktienbasis (FKV). Er besaß zeitweise das Atelierhaus im Kettenhof 44 im Frankfurter Westend, in dem Künstler wie Gustave Courbet und Wilhelm Busch (1832-1908) auf Zeit arbeiten.
In seiner Tätigkeit als Inspektor des FKV beschaffte er dem Städel Museum und vielen Sammlern wichtige Werke auf den internationalen Auktionen in Paris, London, Wien und Brüssel, zu denen er regelmäßig reiste. Er veranstaltete selbst viele Nachlass -Auktionen bekannter Frankfurter Bürger und Stifter und gab dazu mehrsprachige Auktionskataloge heraus. Auch persönliche Besuche bei zeitgenössischen Künstlern und Kunstkennern wie Arnold Böcklin (1827-1901) und Adolf Bayersdorfer (1842-1901) in Florenz 1874 und Rom waren ihm wichtig.
Die weiteren Vorträge dieser Tagung des Breuberg-Bundes sind:
Am Freitag 16.00 Uhr Norbert Allmann: Zur historischen Entwicklung des Wildparks Eulbach, 17.00 Uhr Dr. Jürgen Jung: Virtuelle Rekonstruktion zur Informationsvermittlung – Das Alsbacher Schloss, der Weiler Hügel und die Burg Lindenfels als Beispiele aktueller Projektarbeit der „Burglandschaft“ und am Samstag, den 26. 9. um 9.00 Uhr Thomas Steinmetz: Das Mühlhäuser Schlösschen“ bei Breuberg-Rai-Breitenbach als Wohnort des Scharfrichters, 10.00 Uhr Dr. Carolin Schreiber: Das Kartular des Klosters Lorsch und seine Bedeutung für die Erforschung des Odenwaldes, 11.00 Uhr Dr. Benno Lehmann: Christian Wilhelm Kehrer (1775-1869), ein Veduten- und Jagdtiermaler am Hofe des Grafen zu Erbach.
Die Kurzexkursion am Samstagnachmittag führt nach Wörth am Main. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.


